So hat BASF unsere Gasabhängigkeit angeheizt

So hat BASF unsere Gasabhängigkeit angeheizt

Die Geschehnisse rund um den Ukraine-Krieg haben vielfältige Auswirkungen auf Europa und Deutschland. Dazu zählt unter anderem auch der Anstieg von Gaspreisen. In Folge des Konflikts sind die Erdgaspreise in Europa auf einem Rekordhoch. Dabei wurde erstmalig die Summe von 200 Euro pro Megawattstunde erreicht. Bereits im Vorjahr, 2021, waren die Gaspreise stark gestiegen. Die Invasion von Russland in die Ukraine führte zu einem weiteren Anstieg.

Auch die Endkund:innen spüren den Anstieg, da Grundversorger die gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kund:innen weitergeben. Durch die steigenden Preise denken viele Verbraucher:innen über einen Anbieterwechsel nach. Doch aufgrund der dynamischen Situationen und der risikoreichen aktuellen Bedingungen werden Tarifangebote für neue Kund:innen teilweise ausgesetzt und weniger Anbietende können verglichen werden. Ein Anbieterwechsel lässt sich nicht pauschal mit ja oder nein beantworten und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nichtsdestotrotz gilt: Vergleiche sind wichtig. Ähnlich wie bei einem Darlehen müssen die Art, die Anbietenden, die Konditionen und Kennzahlen verglichen werden, um zu bestmöglichen Bedingungen Geld für die Finanzierung von größeren Investitionen zu erhalten. Die Umwelt und Bedingungen wirkt sich direkt auf die Konditionen aus. Der aktuelle Konflikt und die Preise sorgen aktuell bei dem Thema Gas für viele Diskussionen.

Die Hintergründe:

Russland verfügt über viele Rohstoffe ist ein starker Exporteur. Um die 40 % der Erdgas-Importe von Europa stammen aus Russland. Im Zuge des russischen Angriffskriegs wurden von Europa und der USA Sanktionen für Russland verhängt. Auch Unternehmen verlassen Russland und stellen ihre Geschäfte, Handelsbeziehungen oder Produktionen ein, dazu zählen:

  • Das Land wird von Finanzsystemen abgeschnitten,
  • Streaminganbieter stellen Betriebe ein,
  • Filmstarts werden für Russland ausgesetzt und
  • Produktverkäufe werden gänzlich gestoppt.

Solche Wirtschaftssanktionen haben das Ziel, die russische Wirtschaft zu schwächen, sodass die wirtschaftlichen und politischen Kosten des Krieges in Russland steigen. Dadurch wird unter anderem die Finanzierung des Krieges erschwert und die gesamte Wirtschaft geschwächt, was Auswirkungen auf das Leben in Russland hat.

Zu den Zielen von Sanktionen zählt demnach die Wahrung von Werten und der grundlegenden Interessen und der Sicherheit von der EU.

Die Inflationsrate in Russland ist bereits sehr hoch, bei ca. 16 % im März. In der EU wird die Inflation durch die EZB stets versucht auf einem möglichst konstanten und niedrigen Niveau zu halten. Durch die Anpassung des Leitzines wird in der Geldpolitik die Wirtschaft angekurbelt oder versucht zu senken. Bei einer Anhebung führt dies zu einer Geldverteuerung, sodass das Geld leihen von der Zentralbank teurer wird. Diese Erhöhung wird auch an Verbraucher:innen weitergegeben und das Geld leihen für Investitionen oder andere Anschaffungen wird für sie teurer. Es müssen höhere Kreditzinsen bezahlt werden.

Innerhalb der Diskussionen rund um das russische Gas stehen auf der einen Seite die EU, die über ein Embargo für russisches Gas spricht, um so die Gas Importe stoppen. Jedoch würde dies laut Experten auch der eigenen wirtschaftlichen Situation stark schaden und es könnte zu einer Rezession kommen. Auf der anderen Seite steht Russland, dessen Regierung die Gasfirmen in Europa sanktioniert und das Gas abdreht. Die Diskussionen entstehen aufgrund der Abhängigkeit Europas von Russland. Das russische Unternehmen Gazprom ist weltweit der größte Gasexporteur und hat das Monopol für den Erdgasexport Russlands. Deutschland lässt sich als abhängig von russischem Gas bezeichnen. Im Zuge des eskalierenden Konflikts wurde von der deutschen Bundesregierung die Zertifizierung von der Nord Stream 2 Ostsee Pipeline gestoppt. Die seit 2011 bestehende Pipeline Nord Stream liefert russisches Erdgas nach Deutschland. Dies ist auch für Nord Stream 2 geplant. In Deutschland gibt es nur wenig Erdgasvorkommen.

Es könnten maximal 5 % des Verbrauchs durch die eigenen Vorkommen in Deutschland gedeckt werden.

Doch nicht nur allein in Deutschland, sondern in der EU kommt es zu Diskussionen. Wie bei der Einführung eines neuen Zahlungssystems in Europa zum Beispiel kommen auch hier verschiedene Interessen und Meinungen zusammen.

Was hat BASF damit zu tun?

BASF ist ein Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen und ist in 90 Ländern vertreten. Nach Umsatzzahlen ist BASF der größte Chemiekonzern weltweit. In den 90er-Jahren hat BASF eigene Pipelines von den Gasfeldern von Gazprom bis zum Werk in Ludwigshafen gebaut. Dabei benötigte das russische Unternehmen Gazprom das Wissen einer BASF-Gasfördertochter, sodass BASF Gazprom half.

Im Gegenzug wollte der Gaskonzern mehr russisches Gas in Deutschland verkaufen und sicherte BASF billiges Gas für die Chemiewerke.

Gemeinsam vermarkteten BASF und Gazprom Gasmengen mit großem Profit in Deutschland. Die deutschen Regierungen unterstützen die Kooperation zwischen BASF und Gazprom, unter anderem aufgrund der guten Gaspreise durch die Beziehung.

Im Zuge dessen ist die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas nach und nach gewachsen. Darüber hinaus war BASF auch bei der umstrittenen Ostsee Pipeline Nord Stream 1 ein essenzieller Partner von Gazprom. Immer wieder gab es Warnungen, dass Russlands Regierung das Erdgas als ein politisches Druckmittel und Waffe einsetzten kann. Wie zuvor beschrieben, ist die Inflationsrate dort aktuell auf einem Rekordhoch und die Kaufkraft und die Wirtschaft sind in schweren Zeiten durch die Sanktionen. In Kreisen der Chemieindustrie sind Warnungen eines Lieferstopps von BASF ignoriert worden. Neben weiteren Faktoren hat somit auch BASF die Gasabhängigkeit von Russland mit verursacht.

Aufgrund der großen Abhängigkeit gibt es nun auch viele Diskussionen, da die deutsche Regierung Gas-Sanktionen für und wiederum von Russland scheut. Die Abhängigkeit lässt sich auf die Schnelle nicht lösen.

Aktuell ist ein schrittweiser Import-Rückzug geplant, um so bis zum Jahre 2024 möglichst unabhängig von Gas aus Russland zu sein.

Mittlerweile scheint dieser Plan jedoch wenig umsetzbar, da sich Kunden in Deutschland von Gazprom mit Langfristverträgen verpflichtet sind, russisches Gas selbst dann zu bezahlen, auch wenn es nicht bezogen wird.

Andreas Linde
Von
Der Kreditexperte Andreas Linde ist seit 2014 in der Finanzbranche tätig. Auf Matchbanker schreibt er über Kredite, Refinanzierung, APR, Zinssätze und alles, was mit Finanzen zu tun hat.
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