Alles über Inflation und Kaufkraft

Insbesondere in letzter Zeit ist die Thematik der Inflation viel im Gespräch. Im Dezember 2021 hat die Inflationsrate mit +5,3% einen neuen Höchststand seit knapp 30 Jahren erreicht. Im Januar 2022 liegt im Januar 2022 bei +4,9%. Somit bleibt die Inflationsrate weiterhin auf einem hohen Stand. Laut Meldung des Statistischen Bundesamts vom 11. Februar 2022 sind die Verbraucherpreise im Zuge der Inflation im Vergleich zum Dezember 2021 um 0,4% gestiegen. Insgesamt haben sich die Preise für Waren innerhalb eines Jahres, von Januar 2021 bis Januar 2022, insgesamt um 7,2% erhöht. Auch insbesondere im Bereich der Nahrungsmittel sind die Preise gestiegen. Die Preise für Lebens- und Nahrungsmittel haben sich im Januar 2022 im Gegensatz zum Vorjahresmonat um 5,0%. Dabei wurden vor allem frisches Gemüse, Molkereiprodukte und Butter spürbar teurer. Doch warum passiert dies und wo liegt der Zusammenhang zwischen Kaufkraft und Inflation? 

Kaufkraft

Die Kaufkraft dient als Maßstab für den Wert des Geldes. Daher gibt die Kaufkraft an, welche Gütermenge mit einem Geldbetrag oder einer Geldeinheit gekauft werden kann. Sie betrachtet also das Austauschverhältnis zwischen Geld und Gütern oder auch Dienstleistungen. Beim Geld leihen wird also betrachtet, wie viel von dem geliehenen Geld gekauft werden könnte. Die für einen bestimmten Geldbetrag erhältliche Gütermenge wird mit der Kaufkraft ausgedrückt, sodass sie daher den Maßstab für den Geldwert darstellt. Diese Güterpreise sind jedoch variabel und verändern sich dauernd, so wie beispielsweise Fahrräder im Winter günstiger werden können. Somit kann die Kaufkraft auch nur in Bezug auf Güter gemessen werden. Hierbei dient ein zusammengestellter Warenkorb, bestehend aus typischen gekauften Haushaltsgütern, der Berechnung des Verbraucherpreisindex eines Staats. Die Preisentwicklung wird somit anhand des Preisindex festgestellt. Bei einem steigenden Preisniveau sinkt die Kaufkraft. Handelt es sich um ein sinkendes Preisniveau, so steigt die Kaufkraft hingegen. 

Im Falle eines steigenden Preisniveaus handelt es sich um eine Inflation. Bei einem sinkenden Preisniveau wird dies als Deflation bezeichnet.

Werden also die Preise für die Lebenshaltung höher, so verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Umgekehrt erhöht sich die Kaufkraft des Geldes, wenn die Kosten für Güter und Dienstleistungen sinken. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, wenn für eine Geldeinheit weniger Güter als zu einem vorherigen Zeitpunkt zu kaufen sind. Der Geldwert und das Preisniveau sind daher genau umgekehrt. Sinkt also die Kaufkraft bei einem gleichbleibendem durchschnittlichen Einkommen, so wird von einer Inflation gesprochen. Um eine Deflation handelt es sich bei einer steigenden Kaufkraft des Geldes bei unverändert hohem Einkommen. Ein essenzielles wirtschaftspolitisches Ziel ist das Preisniveau so stabil wie möglich zu halten. 

Inflationsrate & Inflation

Die prozentuale Veränderung des allgemeinen Preisniveaus wird in der Inflationsrate, der Preissteigerungsrate, ausgedrückt. Hierbei wird insbesondere die jährliche Veränderung des Verbraucherpreisindexes über einen bestimmten Zeitraum betrachtet und dadurch die Veränderung eines Preisindex bestimmt. Dementsprechend lässt sich die Inflation definieren: 

Die Inflation bezeichnet den Prozess der Geldentwertung.

Diese Geldentwertung wird erkennbar durch die allgemeine Preiserhöhung. Dies impliziert, dass mit einer Geldeinheit im Laufe der Zeit weniger gekauft werden kann und sich die Kaufkraft des Geldes stets verringert. Die Inflation wird daher mit der Inflationsrate gemessen. Die Inflation wird anhand des folgenden Beispiels deutlich: 

Kaufkraft Beginn des JahresInflationsrateKaufkraft Ende des Jahres
200,00 Euro2,0%196,00 Euro
196,00 Euro 2,0%192,08 Euro

Ganz allgemein ist es in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass eine Inflationsrate unterhalb von 2% kein guter Zustand ist, da dies ein schwaches Wirtschaftswachstum aufzeigt. 

Um das Preisniveau so stabil wie möglich zu halten, wird langfristig eine Inflationsrate nach EZB-Vorgabe um 2% angestrebt.

Denn eine langsam steigende Inflationsrate führt zu einer stabilen Preisentwicklung. Die aktuell hohe Inflationsrate lässt sich auf diverse Gegebenheiten zurückführen: das schnelle hochfahren der Wirtschaft aufgrund weniger Pandemie Beschränkung, sodass Menschen wieder mehr reisen, einkaufen, Restaurants besuchen und somit mehr Geld ausgeben. Doch auch steigende Energiepreise treiben die Inflation nach oben genauso wie der Umstand knapperer Ressourcen, bei denen die Nachfrage jedoch hoch ist. Es geht also viel um Angebot und Nachfrage. Eine steigende Nachfrage führt zu steigenden Preisen und viele weitere Faktoren werden beeinflusst. Daher kann sich eine Inflation selbst verstärken. Die EZB, Europäische Zentralbank; zielt darauf ab, mit der Geldpolitik die Inflationsrate mit angehobenen Leitzinsen (restriktive Geldpolitik) oder sinkenden Leitzinsen (expansive Geldpolitik) zu beeinflussen, um so ein stabiles Preisniveau sicherzustellen. Bei Zinssenkungen ist die Wirkung eher wachstumsfördernd, da ein Kredit für Investitionen günstiger werden. Im Gegensatz dazu werden bei Zinserhöhungen die Kredite teurer, sodass dies Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Preisanstieg hat. Aktuell sind die Zinsen besonders niedrig, der EZB-Leitzins liegt bei 0% (Stand: Februar 2022), um so die Wirtschaft weiter anzukurbeln. 

Die vorherrschende Inflation hat zur Folge, dass die Ersparnisse mit der Zeit an Wert verlieren. Somit wird vermehrt gespartes Geld investiert, um dem Geldwertverlust entgegenzuwirken. 

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Der Kreditexperte Andreas Linde ist seit 2014 in der Finanzbranche tätig. Auf Matchbanker schreibt er über Kredite, Refinanzierung, APR, Zinssätze und alles, was mit Finanzen zu tun hat.
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